Mehr Gelassenheit 2020

Nie zuvor, so kommt mir vor, ist so viel und so laut geschossen und gekracht worden wie bei diesem Jahreswechsel. Das verwundert, weil zuvor auch noch nie so intensiv gegen die ganze Kracherei gewettert worden ist. Kann schon sein, dass manche der so begeisterten Kracher-Fans nicht alles so genau lesen können, was sie vielleicht lesen sollten. Kann aber auch sein, dass all die schon ziemlich hysterischen Warnungen manche erst auf die Idee gebracht haben, es heuer auch einmal so richtig krachen zu lassen. Gescheit war es sicher nicht, ich erinnere mich noch immer an die Leiden unseres längst verendeten Schäferhundes in dieser Nacht – und das bei einigen wenigen Schüssen. Wie hätte Kyon erst diese Nacht gelitten, in der es selbst bei uns im Mühlviertel um Mitternacht gekracht hat, als gälte es, einen Krieg zu gewinnen. Recht gescheit ist es aber auch nicht, den Menschen jeden Spaß zu verderben. Das beginnt bei dem mir als Nichtraucher schon militant scheinenden Kampf gegen die Raucher, das geht über die Hysterie für das E-Auto und gegen den guten alten und eh schon so sauberen Diesel und endet bei der übertriebenen Aufregung gegen die Sylvester-Kracher. Wie gesagt, recht gescheit ist es ja nicht, es blitzen und krachen zu lassen, aber schön kann so ein Feuerwerk am Himmel doch auch sein. Das beweisen die vielen Videos der vergangenen Nacht, die ich heute auf Facebook finde. Was ist die Botschaft für 2020 ff? Mehr Gelassenheit auf allen Ebenen täte uns wahrscheinlich gut.

Dramatische Namensverwirrung

Es muss mit dem Todestrieb zu tun haben. Freunde und Bekannte, die ein Leben lang einen Rufnamen hatten oder mit diesem offensichtlich auch zufrieden waren, besinnen sich rund um den 70. Geburtstag eines Besseren. Der Seppi möchte von einem Tag auf den anderen nur noch Josef genannt werden, der Hansi gefällt sich besser als Johann. Überhaupt fällt mir auf, dass die Namensnennung i mit dem Eintritt ins Greisenalter verpönt zu sein scheint. So sehr sich dieselben Damen und Herren gerade dieses Alters um ein möglichst jugendliches Outfit bemühen und gar nicht müde werden, von all ihren Aktivitäten zu berichten, so wenig gefallen ihnen die Namen, die sie in eben derselben Jugend begleitet haben. Die Christl stört sich am l und will künftig Christine heißen. Ihre gleichnamige Freundin hält mehr vom a am Ende, also Christina. Noch schlimmer bei den Annamiarln. Das Miarl geht sowieso nicht, keine Frage. Aber Annemarie reicht manchen auch noch nicht. Annemaria klinge irgendwie eleganter oder besser gleich Anna Amaria. Oder die Gretln. Viel zu viele sind vor 70 Jahren wahrscheinlich so getauft worden. Aber so schlimm, dass jetzt alle anders heißen mögen, ist die Gretl auch wieder nicht. Meine Frau hat das Unglück, gleich viele solcher Gretln zu Freundinnen zu haben, sie ist trotzdem gut mit ihnen zurecht gekommen all die Jahre. Jetzt rennt sie den ganzen Tag mit einem Schwindelzettel herum, könnte ja eine dieser Gretln am Telefon sein und Gott bewahre falsch angesprochen werden. Gegen Katastrophen dieser Art hilft der Schwindelzettel: Margareta steht drauf und in Klammer der Nachname der Dame, darunter die Grete in derselben Art, auch die Margret konnte ich finden genauso wie die GretA und die GretE. Immer, wenn eine von denen anruft, zieht es mich zusammen und ich muss den Klopf schütteln angesichts so ausgeprägter Selbstverwirklichung in den alten Tagen. „Du mit deine Gretln“, habe ich neulich bloß zu meiner Frau zu sagen gewagt. Ich trage seither einen Kopfverband und freu mich auf Besuche meiner alten 

Gedicht für den Papierkorb

Dass das Braunauer Rattengedicht widerlich ist, muss nicht ich auch noch sagen. Genauso alarmierend finde ich es, wie ein blauer Spitzenfunktionär einen ORF-Journalisten auf offener Bühne bedroht und abzukanzeln versucht. Dabei hat dieser nur gut recherchiert und ziemlich klare Zusammenhänge hergestellt zwischen heutigen Postings und solchen von damals. Solches zu dürfen, ist eine Form der Pressefreiheit. Solches verhindern zu wollen, das genaue Gegenteil. Natürlich gilt Pressefreiheit auch für Meinungen, die vom mainstream abweichen. So gesehen prinzipiell auch für das Rattengedicht, wäre da nicht der Umstand der menschenverachtenden Verhetzung. Wo immer wie in diesem Fall die rote Linie der Humanität meilenweit überschritten wird, sollte solche Post am besten ungehört im Papierkorb landen.

Die große Urlaubsfalle

Der Klimawandel ist DAS große ökologische Thema. Und viele versuchen bei sich zu Hause jahraus, jahrein dagegen anzukämpfen. Regional, biologisch einkaufen, unnötige Autofahrten vermeiden usw. ist geradezu modern geworden. Dann aber kommt mit dem Sommer die Urlaubszeit. Und damit die Verlockung, ferne Länder aufzusuchen. So sinnvoll es ist, zu reisen, seinen Horizont zu erweitern oder sich zu erholen: ein einziger Hin- und Rückflug etwa nach Madrid verbraucht pro Fluggast soviel CO2 wie pro Person aufs ganze Jahre gesehen nötig wäre, um den Klimawandel aufzuhalten, also circa 0,6 Tonnen. So sehr allen die schönen Ferienflüge gegönnt sind: wer sich in den Urlaub fliegen lässt, kann alle sonstigen Vorhaben vergessen, was die Verringerung seines ökologischen Fußabdrucks betrifft. Und schon gar nicht soll er oder sie andere mit mahnendem Zeigefinger belästigen, wenn im Supermarkt zu Weihnachten zum Beispiel Erdbeeren oder andere Früchte gekauft werden, die um diese Jahreszeit von weit her angekarrt werden müssen.

Tiefer Blick in blaue Seelen

Dancing Star ist mir ziemlich fremd. Als „Tur-Nier-Tänzer“ dank meiner Plattfüße konnte ich bisher immer einen neidlosen Bogen um diese Sendung machen. Dass ich zuletzt doch jeweils am Ende hineingeschaut habe, daran ist nur der ehemalige blaue Politiker Petzner Schuld. Seine Bewegungen schienen selbst mir merkwürdig ungelenk und steif. Verglichen mit den anderen Teilnehmern war er mit Abstand der Schwächste. Das wär mir aber noch egal. Interessant ist, dass sein altes politisches Netzwerk noch so stark ist, ihn trotz aller tänzerischen Impotenz in die jeweils nächste Runde zu hieven. Und noch interessanter ist seine Selbsteinschätzung gegenüber den Wertungen der Jury, die auch tief in seine politische Seele und in die seiner strammen Parteikameraden blicken lässt: alles ungerecht, alles unfair und tief verletzend… Nur ja nichts zugeben, Schuld sind nur die anderen…

Geheuchelter Karfreitag

Es geht um den freien Tag und um sonst gar nichts. Warum dieser Tag frei oder nicht frei sein soll, spielt meiner Beobachtung zufolge überhaupt keine Rolle. Wie überhaupt kirchliche Feiertage großteils nur dafür verwendet werden, um Freizeit zu genießen. Der Blick auf leeren Kirchenbänke beweist es, zB. am Oster- oder Pfingstmontag, aber auch zu Fronleichnam und anderen Feiertagen, wie eben auch am Karfreitag. Alles recht und schön, wir brauchen auch Zeit zum Verschnaufen, nur sollte man in der Debatte um einen Feiertag nicht plötzlich Heiligkeit heucheln, wenn sie einem ansonsten eigentlich völlig egal ist.

Bedrohliche Kondensstreifen

Sie sind wirklich schön anzuschauen, die kreuz und quer über den Morgenhimmel verlaufenden Kondensstreifen der Flugzeuge. Etliche Facebookfreunde haben beeindruckende Fotos gepostet. Eigentlich sollten diese Bilder nachdenklich machen und zum Umdenken anregen. Die Flugzeuge tragen neben den Kreuzfahrtschiffen die Hauptlast an der den Verkehr betreffenden CO2 – Belastung. Wir alle sollten das bei der anstehenden Buchung des Sommerurlaubs bedenken, wenn wir wirklich einen Beitrag zur Rettung der Welt leisten wollen. 

Weihnachten nur für uns

Schickt mir jemand Weihnachtsgrüße aus Südafrika. Unerhört finde ich das, wo ich doch weiß, wie heiß es um diese Zeit dort ist. Die sollen sich in unsere Feste gefälligst nicht einmischen, denn Weihnachten kann nur so sein, wie es bei uns ist: kalt und meistens weiß draußen, gemütlich warm herinnen. Davon haben die Schwarzen aber keine Ahnung in ihrem Sommer, der dort gerade ist. Also sollen sie das lassen, das mit den Weihnachtswünschen. Denn Weihnachten, das gehört uns und soll so bleiben, wie es ist. Mit einem schönen Viergesang und Hackbrettmusik oder wenns sein muss, mit irgendwas von diesem Bach. Aber bitte nicht mit irgendeiner Negermusik. Weihnachten passt eigentlich nur zu uns Europäern, dort wo die Tannen und die Fichten wachsen, wegen der Christbäume und den Packeln drunter. Wo diese Bäume nicht wachsen, sollten sie die Finger davon lassen, schon aus ökologischen Gründen. Sie sollen feiern, was sie wollen, da reden wir ihnen überhaupt nichts drein, sie sollen sich aber nicht in unsere Werte einmischen und Weihnachten verkommen lassen. 

(Vorsicht: politisch durchaus brisante und aktuelle Satire!!!)

Unangenehme Zeichen der Hoffnung

Dass der österreichische Bundespräsident mit seiner Crew per Bahn zum Klimagipfel nach Kattowice gefahren ist, mag lächerlich erscheinen, ist es aber nicht. Würden wir alle dieses Zeichen als das erkennen, was es ist, wäre schon ein großer Schritt getan in Richtung Klimaziele. Die Erkenntnis daraus müsste nämlich jetzt, wo die Prospekte der Reisbüros mit den herrlichsten Zielen aller Welt eintrudeln, heißen: 2019 wird nicht mehr aus Luxus geflogen, 2019 verzichten wir aber auch auf die Fahrt mit dem Kreuzfahrtschiff und 2019 überlegen wir es uns zweimal, bevor einfach irgendwohin mit dem Auto fahren.

Auch mit diesem ohnedies völlig irrealen Verzicht wäre die Welt noch lange nicht gerettet, aber es wäre ein Anfang, dem viele andere folgen müssten: ja, sicher auch der Verzicht auf das Plastiksackerl, der Regierung sei gerne auch einmal gedankt für den Beschluss.

Ende meiner Ära

Nach sieben Jahren ist meine Zeit für die Katholische Aktion zu Ende. Zurück liegen 1500 Einsatztermine, 130.000 Kilometer, 75 Blogs und zahllose Kurzbeiträge in den diversen Zeitungen unserer Gliederungen KFB, KMB, Jugend, Jungschar usw. Zurück bleiben schöne Erinnerungen an wertvolle, sehr prinzipienorientierte Menschen, die in oft mühsam langen Sitzungen um die richtige Positionierung ringen. Zurück bleibt aber auch das Gefühl, in den wirklich drängenden Fragen wenig bewegen zu können außer mitzuhelfen, den erforderlichen Druck zu einer dringendst nötigen Veränderung in kirchenpolitischen Fragen mit aufzubauen.