Dringende Umkehr

Zahllose Einzelfälle und jetzt das Strache-Video zeigen: das Maß ist voll, längst voll und Österreich braucht die Rückkehr in eine stabile Situation. Was nach meiner Meinung nur heißen kann: Neustart in Form von Neuwahlen. Wie die FPÖ damit umgeht, ist ihre Sache, wohin sich die vielen Menschen nun wenden, die ihr zuletzt ihre Stimme gegeben haben, eine andere. Als staatstragende Partei hat sie auf allen Ebenen ausgedient. Auch die ÖVP als ihr Regierungspartner muss sich grundlegend umorientieren. Zu blind haben sich die jungen und aalglatten Türkisen mit den wackeren Blauen verbündet, Zeichen einer politischen Unerfahrenheit und persönlichen Machtgier. Was der ÖVP bleibt, ist die Rückkehr zum bewährten Schwarz, sprich zur klaren christlich-sozialen Linie, allerdings und logischerweise mit neuen, diesmal erfahreneren Repräsentanten.

Rechter Göttervater im Kulturbeirat?

Über Kultur lässt sich ewig streiten. Was ein Bild zu einem Kunstwerk macht, wäre ein solches Thema. Auch wenn mir persönlich vieles nicht gefällt und ich es niemals kaufen möchte: ich plädiere dafür, dass Künstler ausdrücken dürfen, was sie zu sagen haben. Nichts einzuwenden ist auch gegen das verbriefte Recht, dass Regierungsparteien ein Vorschlagsrecht haben sollen für die Besetzung des Landeskulturbeirates, also jener offiziellen Organisation, die Empfehlungen für Ehrungen, Ankäufe und dergleichen abgibt. Dass auf diese Weise von der FPÖ ein Innviertler Künstler mit dem selbstgewählten Vornamen Odin (Wotan) nominiert wird, dessen Bilder perfekt in die Zeit des Nationalsozialismus passen, macht das Thema haarig. Noch dazu, wo derselbe Maler die Förderung einer feministischen Kollegin einst mit dem Ausdruck „weichherziges Weibergezücht“ zu verhindern versucht hat. Bekannt ist er geworden durch Publikationen in rechtsextremen Zeitschriften. Odin W. ist der Lieblingsmaler von FPÖ-Verkehrsminister Norbert Hofer. Er soll künftig den Kulturgeschmack des Landes Oberösterreich mitbestimmen. Wie gesagt, alles rechtens. Aber die Frage bleibt und wird immer virulenter: auf welchen Koalitionspartner setzt hier eigentlich die ÖVP? Und zwar nicht nur in Oberösterreich, sondern auch im Bund? 

Faschismus nicht verstanden

Ich bin Faschist. Zumindest muss mich der Gabalier für einen solchen halten. Denn weder in meiner Wohnung, noch auch in meinem Auto ist je ein Song von ihm gelaufen. Wenn er es für Faschismus hält, dass seine Lieder bei offiziellen Veranstaltungen einer Partei nicht gespielt werden, dann müsste das folgerichtig auch für mich gelten, mehr noch: ich mag Richard Wagner nicht und etliche Ergüsse zeitgenössischer Komponisten kommen bei mir ebenfalls kaum vor. Faschismus also in Reinkultur, nach der Denke von Gabalier zumindest. Weit haben wirs gebracht…

Ohne Ironie betrachtet halte ich es für eine eklatante Verhöhnung der Millionen Faschismus-Opfer, wenn Ihr Schicksal mit dem eines rotweißroten Schlagerbarden verknüpft wird, dem es offensichtlich bloß um sein ohnedies ganz gutes Geschäft geht.

Gedicht für den Papierkorb

Dass das Braunauer Rattengedicht widerlich ist, muss nicht ich auch noch sagen. Genauso alarmierend finde ich es, wie ein blauer Spitzenfunktionär einen ORF-Journalisten auf offener Bühne bedroht und abzukanzeln versucht. Dabei hat dieser nur gut recherchiert und ziemlich klare Zusammenhänge hergestellt zwischen heutigen Postings und solchen von damals. Solches zu dürfen, ist eine Form der Pressefreiheit. Solches verhindern zu wollen, das genaue Gegenteil. Natürlich gilt Pressefreiheit auch für Meinungen, die vom mainstream abweichen. So gesehen prinzipiell auch für das Rattengedicht, wäre da nicht der Umstand der menschenverachtenden Verhetzung. Wo immer wie in diesem Fall die rote Linie der Humanität meilenweit überschritten wird, sollte solche Post am besten ungehört im Papierkorb landen.

Abkehr vom versuchten Diebstahl

Wenn die Berichte und Infos über die jüngste Entwicklung stimmen, sollte der eiskalte Diebstahl vom Tisch sein. Spenden würden demnach also doch nicht von der Mindestsicherung abgezogen. Die shitstormartigen Proteste haben Wirkung gezeigt. Großes Danke und Aufatmen, wenngleich: auf eine solche Idee muss man erst einmal kommen… aber immerhin: Lernfähigkeit zu zeigen ist ja eine durchaus positive Eigenschaft. Auch das muss einmal gesagt sein.

Eiskalter Diebstahl

Ich musste es öfter als zweimal lesen, bis ich es geglaubt habe: die Bundesregierung will Empfängern von Sozialhilfe etwaige Spenden von der Mindestsicherung eiskalt abziehen. Was unter dem Deckmantel von „Gleichheit für alle“ manchen gerecht erscheinen mag, halte ich für offenen Diebstahl. Und ich unterstütze Vorschläge anderer darob empörter Bürger, im selben Handstreich die Parteienförderung um den Betrag der Parteispenden zu kürzen. 

Die große Urlaubsfalle

Der Klimawandel ist DAS große ökologische Thema. Und viele versuchen bei sich zu Hause jahraus, jahrein dagegen anzukämpfen. Regional, biologisch einkaufen, unnötige Autofahrten vermeiden usw. ist geradezu modern geworden. Dann aber kommt mit dem Sommer die Urlaubszeit. Und damit die Verlockung, ferne Länder aufzusuchen. So sinnvoll es ist, zu reisen, seinen Horizont zu erweitern oder sich zu erholen: ein einziger Hin- und Rückflug etwa nach Madrid verbraucht pro Fluggast soviel CO2 wie pro Person aufs ganze Jahre gesehen nötig wäre, um den Klimawandel aufzuhalten, also circa 0,6 Tonnen. So sehr allen die schönen Ferienflüge gegönnt sind: wer sich in den Urlaub fliegen lässt, kann alle sonstigen Vorhaben vergessen, was die Verringerung seines ökologischen Fußabdrucks betrifft. Und schon gar nicht soll er oder sie andere mit mahnendem Zeigefinger belästigen, wenn im Supermarkt zu Weihnachten zum Beispiel Erdbeeren oder andere Früchte gekauft werden, die um diese Jahreszeit von weit her angekarrt werden müssen.

Tiefer Blick in blaue Seelen

Dancing Star ist mir ziemlich fremd. Als „Tur-Nier-Tänzer“ dank meiner Plattfüße konnte ich bisher immer einen neidlosen Bogen um diese Sendung machen. Dass ich zuletzt doch jeweils am Ende hineingeschaut habe, daran ist nur der ehemalige blaue Politiker Petzner Schuld. Seine Bewegungen schienen selbst mir merkwürdig ungelenk und steif. Verglichen mit den anderen Teilnehmern war er mit Abstand der Schwächste. Das wär mir aber noch egal. Interessant ist, dass sein altes politisches Netzwerk noch so stark ist, ihn trotz aller tänzerischen Impotenz in die jeweils nächste Runde zu hieven. Und noch interessanter ist seine Selbsteinschätzung gegenüber den Wertungen der Jury, die auch tief in seine politische Seele und in die seiner strammen Parteikameraden blicken lässt: alles ungerecht, alles unfair und tief verletzend… Nur ja nichts zugeben, Schuld sind nur die anderen…

Hauptsache, die Zahlen stimmen

Vier Wochen Schreib-Pause, dem Gipsfuß sei Dank. Dabei hätte es genug zum Meckern gegeben. Vom schrillen „Merkts euch das endlich!“ der Ministerin bis zur 1,50-Euro-Idee des Innenministers. Christine Haiden hat Recht: allmählich macht es müde, sich gegen all das zu stemmen und Maria Hasibeder von der Katholischen Aktion auch, wenn sie fragt, was denn als Nächstes komme. Der Grauslichkeiten sind es ja wirklich längst genug, die uns manche Leute dieser Bundes-Regierung vorlegen und gegenüber denen die anderen mehr oder weniger betreten schweigen. Die anderen, das sind auch viele in der ehemaligen christlich-sozialen Volkspartei, die ihre Gruppierung nicht mehr wieder erkennen und auch nicht so recht protestieren mögen. Immerhin fahren die jungen Türkisen mehr Umfrage-Erfolge ein als die alten Schwarzen schon lange nicht mehr zu erträumen wagten. Halt um den Preis des Christlichen. Aber was solls, Hauptsache, die Zahlen stimmen…

Schluss mit der Heuchelei

Die (halbe) Karfreitags-Lösung mag wie ein Scetch aus einem Kabarett klingen, ich finde sie gar nicht so daneben. Erstens behandelt sie alle gleich, völlig unabhängig von ihrem Glauben. Zweitens behindert sie niemanden an der Ausübung seiner Religion. Ab 14 Uhr ist Zeit genug dafür. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass evangelische Arbeitskollegen am Karfreitag selbstverständlich frei hatten. Ob sie ihn zum Kirchgang genutzt haben, weiß ich nicht, ich bezweifle das aber sehr, weil sie sich auch das ganze Jahr über nicht den Anschein irgendeiner religiösen Zugehörigkeit anmerken ließen. Der Karfreitag wäre dann einfach „ihr“ freier Tag gewesen. Jetzt ist er für alle frei, zumindest halbfrei und niemand braucht mehr irgendwelche besondere Religiosität vorzuheucheln, deretwegen er nicht zur Arbeit kommen kann.