Volksblatt: Bert Brandstetter: Diakonatsweihe auch für Frauen

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VolksblattMit KA-Präsident BERT BRANDSTETTER sprach Herbert Schicho

Nach sieben Jahren legt, wie vom VOLKSBLATT bereits berichtet, Bert Brandstetter Ende November sein Amt als Präsident der Katholischen Aktion der Diözese Linz zurück.

VOLKSBLATT: Was ist Ihr Resümee?

BRANDSTETTER: Obwohl ich die Kirche vorher gekannt habe und es mir kein neues Terrain war, war ich doch überrascht, wie langsam alles geht und vieles sogar gar nicht geht. Es ist in meiner Amtszeit eigentlich mehr nicht gegangen als gegangen und das hat mich manchmal schon betrübt. Andererseits habe ich Menschen erlebt, die so behutsam und gründlich gesellschaftliche Entwicklungen mitdenken und abwägen — das hat mir eigentlich recht gut gefallen.

Was war das Highlight?

Ein Highlight in dem Sinne hat es eigentlich gar nicht gegeben. Wir haben viel angestoßen und die Katholische Aktion am Leben erhalten, was gar nicht so selbstverständlich ist. Es geht der Wind ja nicht unbedingt in Richtung Katholischer Aktion, unsere Konkurrenz ist vor Jahrzehnten durch die Pfarrgemeinderäte geschaffen worden. Und: Ich bin kein Feind der Pfarrgemeinderäte und es ist vernünftig, dass wir sie haben – aber dadurch ist die KA ein bisschen obsolet geworden.

Und was würden Sie anders machen?

Manchmal habe ich mir schon gedacht angesichts der Vielzahl der Sitzungen, ob der Output dem entspricht. Ich komme aus der Medienbranche, die sehr schnell reagiert, in einer Organisation wie der Kirche gibt es Gremien und es dauert alles — das war manchmal schon zermürbend. Aber das ist alles kein Grund, dass ich aufhöre: Das sind ganz persönliche Gründe. Ich bin vor einem halben Jahr am linken Fuß operiert worden. Plattfuß. Und das war eine unglaublich langwierige Genese. Jetzt kommt der rechte Fuß dran. Dann kann ich auch nicht mehr Autofahren und ein Chauffeur ist nicht drinnen. Und außerdem ist meine Frau als Lehrerin in Pension gegangen. Ich bin jetzt 68 und wenn mein Fuß wieder gut ist, möchten wir uns ein bisschen die Welt anschauen und ganz normal Pensionist sein. Die KA ist so zeitfressend, dass vieles nicht möglich ist: Es ist ein ehrenamtlicher Fulltimejob.

Es heißt, es rumort in der Diözese, was sind die Probleme?

Das sind eh bekannte Dinge, etwa die Zulassungsbedingungen zum Priesteramt oder der Umgang mit Geschiedenen. Es ist gut, dass der Bischof das nun angestoßen hat und nach Rom weitergegeben hat. Bevor er das getan hat, hat es schon ordentlich rumort und ich weiß von vielen Leuten, die gesagt haben: Jetzt tut doch endlich etwas. Zumindest hat der Bischof jetzt einmal einen Brief geschrieben, wir sind ja eh schon mit wenig zufrieden.

Hat Sie der Brief des Bischofs überrascht?

Schon, weil ich den Bischof als eher vorsichtig einschätze. Aber allein ein Brief aus der Diözese Linz wird den Vatikan nicht zum Umdenken bewegen — also den Papst vielleicht schon, aber der hat einen Panzerapparat um sich herum, der dies möglicherweise verunmöglicht. Da bin ich ein bisschen ein Pessimist.

Sie erwarten sich also nichts aus Rom?

Am Papst läge es vielleicht nicht, aber der Panzerapparat lähmt sehr viel, was der Kirche in Europa, unserer Kirche gut täte. Ich bin mir bewusst, dass man über den Tellerrand schauen muss und global andere Probleme existieren. Aber dass man Frauen nicht zulässt ist kein europäisches, sondern ein gesamtmenschliches Problem. Warum sollen Frauen nicht das Amt ausüben, das versteht kein Mensch.

Und was könnte und sollte man in Linz quasi autonom machen?

Der Papst hat gesagt, seid mutig, tut etwas. Der Kardinal hat gesagt, er ist für Diakoninnen. Ich frage mich, warum traut sich Bischof Scheuer nicht und weiht die erste Frau zum Diakon. Wir haben in meiner Pfarre Neumarkt zu Pfingsten einen Diakon bekommen, seine Frau hat 1 zu 1 dieselbe Ausbildung und ist bei der Amtseinführung mit einem Schal abgespeist worden. Das verstehen wir Stammtisch-Katholiken überhaupt nicht.

Ende November wird Ihr Nachfolger bzw. Ihre Nachfolgerin gewählt. Worauf muss sich diese Person einstellen?

Auf ganz viel Zeitaufwand, viele Sitzungen und Tretmühlen. Es ist ein anstrengendes Amt, aber auch schön, weil man die ganze Diözese und viele wertschätzende und gute Menschen kennenlernt.

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