Protest in Wort und Tat

Die jüngste „Bewegung“ in der katholischen Kirche, sprich das Amazonas-Schreiben von Papst Franziskus halte ich für eine Katastrophe. Die halbe katholische Welt wartet auf eine Lockerung der Zugangsbedingungen zum Priesteramt und was ist die Antwort: nichts. Nichts ist zu wenig. Allen postsynodalen Bemühungen zum Trotz rückt Papst Franziskus die katholische Kirche damit noch weiter in Richtung anachronistische Organisation, die weit fernab der aktuellen Zeit steht. Mir tut es Leid um die vielen engagierten Menschen in allen möglichen kirchlichen Bereichen, deren Image durch dieses Schreiben nachhaltig beschädigt wurde. Dies lamentierend oder schulterzuckend hinzunehmen halte ich für die falsche Antwort. Meine Reaktion ist Protest in Wort und Tat. Ich schimpfe und betätige mich für die katholische Kirche ab sofort nicht mehr ehrenamtlich.  

Feig gewordene Diözese

Erfrischend und ungewöhnlich war die Idee, dem Papst in Rom Postkarten zu schicken, auf dem Katholiken die Weihe von Frauen und verheirateten Männern verlangen. Ob es was genutzt hätte, ist die eine Frage, ob das die Lösung der derzeitigen Kirchenprobleme ist, die andere. Aber ein erfrischendes Zeichen von Lebendigkeit hätte es sein können. Wenn nicht die Diözesanleitung die Sache kalt gestoppt hätte. Aus Klugheit natürlich, um den ohnedies laufenden Prozess nicht zu gefährden. Mag sein, dass dies klug ist. Feig war es aber allemal und ein fatales Zeichen obendrein, Marke: liebes Kirchenvolk, zahl brav deinen Kirchenbeitrag, aber misch dich nicht in Sachen ein, die du nicht verstehst. 

Nicht die Frauenfrage, die Gottesfrage entleert die Kirchen

10.000 Oberösterreicher sind im alten Jahr aus der katholischen Kirche ausgetreten. Und die Erklärungen der katholischen Funktionäre dafür stimmen alle. Irgendwie. Es waren Leute, die schon lang keine Beziehung mehr zur Kirche hatten. Es ist das fehlende Personal und da vor allem der Umstand, dass die Pfarrer nicht heiraten dürfen oder verheiratete Männer und Frauen nicht geweiht werden dürfen. Hätte man mehr Personal, könnte man den Menschen näher sein. Wenn die es haben möchten, wende ich vorsichtig ein.

Irgendwie ist es wie mit einer Automarke, die nicht mehr gekauft wird, weil der Wagen stottert und veraltet ausschaut. Wenn der Chef jetzt erklärt, künftig flottere Verkäuferinnen einzustellen, wird das wenig nützen. Das Auto bleibt, wie es ist. Oder auch, wenn stolz darauf verwiesen wird, dass das Auto, sprich die Kirche auf allen modernen Events präsent ist, wird es wenig bringen, wenn es nicht ordentlich fährt. Auch nicht, wenn jeder Haushalt zweimal jährlich einen Werbefolder geschenkt bekommt. 

Das scheint mir der Punkt zu sein, den anzuschauen oder anzusprechen Kirchenleute offensichtlich lieber meiden wie der Teufel das Weihwasser: es ist nicht so sehr die Organisation der Kirche, die Leute austreten lässt, sondern es ist der Inhalt, es ist die Frage nach Gott, die an Spannung verloren hat. Oder, um es noch drastischer auszudrücken: jene Figur, die auch die katholische Kirche vermitteln will und immer noch ein wenig exklusiv für sich in Anspruch nimmt, interessiert zunehmend weniger Menschen. Gott, speziell der in Jesus Christus verkörperte Gott ist uninteressant geworden. Der weitgehend verlorene Glaube an ihn ist die Ursache, warum sich christliche Kirchen so schwertun. Eine Lösung dieses Rätsels kann ich nicht anbieten, weil auch mir keine einfällt. Nach vielen Gesprächen vor allem auch mit jungen (bereits kirchenfernen) Menschen meine ich aber, den Finger darauf legen zu müssen, was ich da zu hören bekommen habe: Kein Verständnis für innerkirchliche Strukturdebatten, auch keines natürlich für Missbräuche, aber auch kein Verständnis für das liturgische Gehabe mancher Geistlicher bei feierlichen Anlässen. Die Irritation geht bedeutend tiefer: Es ist der fehlende Christus- oder Gottesglaube, der Menschen vermehrt aus den Kirchen auswandern lässt. Wenn das stimmt, muss sich die Kirche wahrlich mehr überlegen, als weibliche Priester einzuführen. Und es wird deutlich, wie existentiell die Kirchen vor allem in Europa bedroht sind. Vielleicht muss man daran gehen, die eigentliche Botschaft von Grund auf schlüssiger und glaubwürdiger darzustellen. So wie Kinder im Schulalter aufhören, an das Christkind zu glauben, scheinen Menschen des 21. Jahrhunderts aufgehört zu haben, das ganze Weihnachtsgeschehen für bare Münze zu nehmen. Etwa, ob dieses Kind von Bethlehem also wirklich Gottes Sohn war. Oder, weil Ostern vor der Tür steht, ob dieser Gekreuzigte denn wirklich am Kreuz gestorben ist und woher er, außer in alten Büchern, eigentlich die Legitimation hatte, sich als Gottes Sohn zu verkaufen? Heiße Fragen über Fragen, die gestellt werden, die aber vor allem beantwortet werden müssten. Dass das Ergebnis letztendlich die Gründung einer neuen oder anderen Kirche sein kann, ist nicht auszuschließen. Angesichts der bedrohlichen Austrittswelle aus der derzeitigen katholischen Kirche in Europa bleibt ihr aber möglicherweise ohnedies keine andere Alternative.

Mehr Gelassenheit 2020

Nie zuvor, so kommt mir vor, ist so viel und so laut geschossen und gekracht worden wie bei diesem Jahreswechsel. Das verwundert, weil zuvor auch noch nie so intensiv gegen die ganze Kracherei gewettert worden ist. Kann schon sein, dass manche der so begeisterten Kracher-Fans nicht alles so genau lesen können, was sie vielleicht lesen sollten. Kann aber auch sein, dass all die schon ziemlich hysterischen Warnungen manche erst auf die Idee gebracht haben, es heuer auch einmal so richtig krachen zu lassen. Gescheit war es sicher nicht, ich erinnere mich noch immer an die Leiden unseres längst verendeten Schäferhundes in dieser Nacht – und das bei einigen wenigen Schüssen. Wie hätte Kyon erst diese Nacht gelitten, in der es selbst bei uns im Mühlviertel um Mitternacht gekracht hat, als gälte es, einen Krieg zu gewinnen. Recht gescheit ist es aber auch nicht, den Menschen jeden Spaß zu verderben. Das beginnt bei dem mir als Nichtraucher schon militant scheinenden Kampf gegen die Raucher, das geht über die Hysterie für das E-Auto und gegen den guten alten und eh schon so sauberen Diesel und endet bei der übertriebenen Aufregung gegen die Sylvester-Kracher. Wie gesagt, recht gescheit ist es ja nicht, es blitzen und krachen zu lassen, aber schön kann so ein Feuerwerk am Himmel doch auch sein. Das beweisen die vielen Videos der vergangenen Nacht, die ich heute auf Facebook finde. Was ist die Botschaft für 2020 ff? Mehr Gelassenheit auf allen Ebenen täte uns wahrscheinlich gut.

Dramatische Namensverwirrung

Es muss mit dem Todestrieb zu tun haben. Freunde und Bekannte, die ein Leben lang einen Rufnamen hatten oder mit diesem offensichtlich auch zufrieden waren, besinnen sich rund um den 70. Geburtstag eines Besseren. Der Seppi möchte von einem Tag auf den anderen nur noch Josef genannt werden, der Hansi gefällt sich besser als Johann. Überhaupt fällt mir auf, dass die Namensnennung i mit dem Eintritt ins Greisenalter verpönt zu sein scheint. So sehr sich dieselben Damen und Herren gerade dieses Alters um ein möglichst jugendliches Outfit bemühen und gar nicht müde werden, von all ihren Aktivitäten zu berichten, so wenig gefallen ihnen die Namen, die sie in eben derselben Jugend begleitet haben. Die Christl stört sich am l und will künftig Christine heißen. Ihre gleichnamige Freundin hält mehr vom a am Ende, also Christina. Noch schlimmer bei den Annamiarln. Das Miarl geht sowieso nicht, keine Frage. Aber Annemarie reicht manchen auch noch nicht. Annemaria klinge irgendwie eleganter oder besser gleich Anna Amaria. Oder die Gretln. Viel zu viele sind vor 70 Jahren wahrscheinlich so getauft worden. Aber so schlimm, dass jetzt alle anders heißen mögen, ist die Gretl auch wieder nicht. Meine Frau hat das Unglück, gleich viele solcher Gretln zu Freundinnen zu haben, sie ist trotzdem gut mit ihnen zurecht gekommen all die Jahre. Jetzt rennt sie den ganzen Tag mit einem Schwindelzettel herum, könnte ja eine dieser Gretln am Telefon sein und Gott bewahre falsch angesprochen werden. Gegen Katastrophen dieser Art hilft der Schwindelzettel: Margareta steht drauf und in Klammer der Nachname der Dame, darunter die Grete in derselben Art, auch die Margret konnte ich finden genauso wie die GretA und die GretE. Immer, wenn eine von denen anruft, zieht es mich zusammen und ich muss den Klopf schütteln angesichts so ausgeprägter Selbstverwirklichung in den alten Tagen. „Du mit deine Gretln“, habe ich neulich bloß zu meiner Frau zu sagen gewagt. Ich trage seither einen Kopfverband und freu mich auf Besuche meiner alten 

Stopp den religiösen Phantastereien

Heutzutage allen Ernstes zu behaupten, irgendjemand würde nach seinem Tod mit Leib und Seele in den Himmel kommen, halte ich für eine Attacke gegen die intellektuelle Redlichkeit. Nichts gegen ein Weiterleben nach dem Tod. Auch die christliche Religion hängt an dieser Idee, wie auch immer man sich das vorzustellen habe. Eine Geborgenheit in einem universellen und für alle Menschen offenen Wesen, das wir Gott nennen, kann befreiend und tröstlich sein. Aber eine körperliche Aufnahme in das, was wir Himmel nennen und ein möglicherweise auch physisches Weiterleben dort: davor möge uns der liebende Gott bewahren. Eine Chuzpe bedeutet für mich die Verknüpfung derartiger Phantasien mit dem Fest Mariä Himmelfahrt: weil Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden sei (was niemand weiß, sondern nur immer wieder erzählt wird), hätte auch das gläubige Fußvolk diese Chance. Ich kann doch nicht allen Ernstes etwas, das ich überhaupt nicht weiß, als Hoffnung für Generationen von Menschen darstellen…

Abschied vom Wunder

Diese Predigt hatte es in sich. Papst Franziskus als alleroberster Kirchenmann sagte am Fronleichnam das, was sich hirnbegabte Bibelleser sowieso schon immer gedacht haben: Jesus hat überhaupt keine Brote vermehrt. Was da in der Bibel steht, sei bildlich und symbolhaft zu verstehen. Ihm sei es um eine Metapher für das Teilen gegangen und er habe dafür das Bild der wunderbaren Brotvermehrung gewählt. Wie es so kommt, ist bloß das Bild des Wunders bei den Menschen hängen geblieben, die Sache mit dem Teilen: naja… Und jetzt rückt ein Papst die Sache wieder zurecht. Dafür gebührt ihm Applaus. Hoffentlich rückt er nach und nach auch andere unglaubliche Dinge zurecht, die nur zu gern für wahr gehalten werden: die Sache mit der Jungfrauengeburt etwa oder die Himmelfahrt oder die Pfingstgeschichte mit den plötzlich vielsprachigen Aposteln und und und…